Uwe Sunkel

Seit über 20 Jahren führt Uwe Sunkel Projekte im nationalen und internationalen Human Resources Umfeld durch. Zu seinen Kunden gehören Unternehmen des Mittelstands ebenso wie internationale Großkonzerne.

Was wir von den Börsen über Recruiting lernen können

Was wir von den Börsen über Recruiting lernen können

An den Börsen gibt es eine alte Weisheit. Diese lautet: Kurse machen Nachrichten. Hinter der Aussage steckt die Beobachtung, dass die Wirtschaftspresse die Überschriften für jede beliebige Börsenentwicklung nachliefert. Sinken die Kurse, werden die Nachrichten negativ. Steigen die Indizes wieder an, schwenkt die Stimmung sofort auf positiv. Im Social Media Recruiting erleben wir gerade das gleiche Phänomen.

Das Ende des Social-Media-Recruitings?

In der letzten Woche war z. B. auf der Webseite des von mir sehr geschätzten Human Resources Manager die Schlagzeile „Ende des Social-Media-Recruiting-Hypes" zu lesen. In dem folgenden Artikel wurden die Ergebnisse der Social Media Recruiting Studie 2014 des Beratungsunternehmens Online-Recruitng.net vorgestellt. Die Haupterkenntnis: Traditionelle Recruiting Kanäle werden im Vergleich zum Vorjahr wieder stärker eingesetzt. Ich komme darauf gleich zurück.

Hinweis: Sie können diesen Blog übrigens gerne kommentieren - die Kommentarfunktion finden Sie ganz am Ende dieses Beitrags.

Wie Börsen-Dynamik entsteht

Schauen wir aber vorher nochmals kurz auf die Börsenkurse. Es ist wirklich verblüffend, wenn man die Berichterstattung der Wirtschaftsredakteure einmal aus dem oben zitierten Blickwinkel heraus betrachtet. Jede nachhaltige Börsenbewegung wird in den Schlagzeilen reflektiert. In den folgenden Wochen springen immer mehr Autoren auf den fahrenden Zug auf und sorgen für weitere positive Berichte. Diese Schlagzeilen befeuern nun die Börsen regelrecht und ziehen sukzessive Investoren in den Markt. Irgendwann hat auch die letzte Oma ihren Sparstrumpf geleert und das hart ersparte Kapital in die T-Aktie investiert. Das war jetzt böse, ich weiß ...

Die Positiv-Spirale funktioniert solange, bis sich der Markt dreht. Das tut er aber nicht aufgrund von Schlagzeilen, sondern aufgrund hochkomplexer volks- und weltwirtschaftlicher Abhängigkeiten, die kaum ein Wirtschaftsredakteur in Worte, geschweige denn in einen publikumswirksamen Artikel verpacken kann.

Und nun achten Sie einmal darauf, was dann passiert. Die gleichen Redakteure, die eben noch voller Euphorie über den DAX oder den Dow Jones geschrieben haben, stimmen nun das Klagelied über dessen Untergang an. Und ich rede hier nicht nur von der Bild-Zeitung, von der man nichts anderes erwartet. Auch große Tageszeitungen und Fachmagazine gehen diesen Trend mit. Interessant und beachtenswert ist, dass die Schlagzeilen sich erst nach (!) der Börsenbewegung drehen.

Hype oder Trend?

Und damit komme ich wieder auf unser Thema Recruiting, insbesondere das Social-Media-Recruiting, zurück. Wenn wir in einem der führenden Fachmagazine für den Bereich Human Resources lesen können, dass der „Hype" sich seinem Ende nähert, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis andere Zeitschriften und Blogger die Nachricht aufschnappen und in einer unzulässigen (weil falschen) Interpretation weiterverbreiten. Ich prognostiziere, dass das Wort „Hype" schon bald durch das Wort „Trend" ersetzt wird. Und genau das wäre der Fehler.

Ich teile die Meinung, dass der Hype (Wikipedia: etwas, das zeitlich begrenzt in Mode ist) so langsam sein Ende finden wird. Und das ist gut so. Warum? Weil Social Media Recruiting keine Modeerscheinung ist, sondern ein effektives Werkzeug, welches in den Händen von professionellen Recruitern sehr gute Ergebnisse bringt. Leider wurde (und wird immer noch) z. B. das Active Sourcing auch von solchen Recruitern eingesetzt, die überhaupt nicht über die notwendige Erfahrung in der Anwendung verfügen. Das ist der Knackpunkt.

Warum Active Sourcing in vielen Unternehmen nicht funktioniert

Wenn Sie ein strukturiertes Interview von einem Praktikanten durchführen lassen, dann werden Sie mit dem Ergebnis nicht viel anfangen können. Sehr wahrscheinlich werden Sie den Kandidaten abschrecken, jedenfalls sehr sicher nicht für Ihr Unternehmen gewinnen. Genau so ist es bei jeder Technik, die eine professionelle Ausbildung und ein ausreichend langes Praxistraining erfordern. Weitere Beispiele wären die Durchführung eines Assessment-Centers, der Vertrieb eines Produkts, die Entwicklung eines neuen Medikaments oder eine Operation am offenen Herzen. Sie werden mir nicht widersprechen, dass die hierfür notwendigen Techniken über einen langen Zeitraum erworben und verinnerlicht werden müssen. Jedenfalls ist mir kein zweitägiges Seminar bekannt, welches Sie zum Herzchirurgen ausbildet.

Social Media Recruiting ist in den letzten Jahren in unzulässiger Weise „gehypt" worden. Solange, bis auch die letzte Oma - ... Verzeihung: Der letzte Praktikant ... - nochmals Verzeihung: Der letzte Recruiter - blind losgerannt ist und auf XING seine erste Direktansprache durchgeführt hat. Das ist so, als hätten Sie im August 2012 Apple-Aktien gekauft. Auch das war jetzt böse ...

Das Ende des Hypes

Wenn die Trendstudien dazu beitragen, dass die unheilvolle Übertreibung aufhört, dann ist das gut. Diese Entwicklung ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einer Abwendung von der Methode. Ganz im Gegenteil. Die Recruiter, die sich intensiv mit der Technik auseinandergesetzt und deren Anwendung trainiert haben, profitieren heute schon von messbar von deren Erfolg. Hier wird sich auch zukünftig noch viel stärker die Spreu vom Weizen trennen. Es wird gute Social Media Recruiter geben und solche, die wenig Erfolg mit der Technik haben. Über die Wirksamkeit der Methode sagt das aber nichts aus. Nur über deren Anwender. Es gibt auch gute und schlechte Verkäufer. Niemand würde aber behaupten, dass kluge Vertriebstechniken per se nicht funktionieren.

Social Media ist aus unserer Zeit nicht mehr wegzudenken. Netzwerke wie XING, Linkedin und facebook sind heute fester Bestandteil unseres Lebens und ein „natürlicher" Bewegungsraum. Und gerade in den Business-Netzwerken bewegt sich die Zielgruppe der Recruiter. Da wäre es fahrlässig falsch, diesen Recruiting Kanal außer acht zu lassen. Wir sollten stattdessen darüber nachdenken, wie wir die Möglichkeiten für das Recruiting und insbesondere für die Kandidaten nutzbar machen. Die plumpe Ansprache mit vorgefertigten Textbausteinen ist jedenfalls nicht das Erfolgsrezept. Recruiting - insbesondere in den Sozialen Netzwerken - braucht Persönlichkeit, Menschlichkeit und Individualität. Wer das nicht berücksichtigt, der wird freilich mit der Methode scheitern.

Kostenfreies Webinar zum Thema

An dieser Stelle möchte ich Sie auch nochmals zu meinem kostenfreien Webinar „Die nächste Stufe im Active Sourcing" am 27.02.2014, 10 - 11 Uhr, einladen. Darin stelle ich einen der sehr erfolgsversprechenden neuen Ansätze im Social Media Recruiting vor.

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Thursday, 19 April 2018

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Das Einzige, was noch stört, ist der Kunde
Active Sourcing ist tot - es lebe Active Recruitin...

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