Uwe Sunkel

Seit über 20 Jahren führt Uwe Sunkel Projekte im nationalen und internationalen Human Resources Umfeld durch. Zu seinen Kunden gehören Unternehmen des Mittelstands ebenso wie internationale Großkonzerne.

Emotionen in Projekten steuern - geht das?

Alter-Mann-und-Baby-quer

Ich komme gerade vom Einkaufen zurück, fahre mit meinem 8-jährigen Sohn auf der Landstraße. Es ist frühlingshaft warm und am blauen Himmel steht eine strahlende Sonne. Das frische Laub drückt mit aller Kraft aus den Zweigen und kleidet die Landschaft in ein opulentes Grün. Im Autoradio erklingen die ersten Töne von "Lavender"*. Und da ist plötzlich dieser Kloß in meinem Hals. Meine Kopfhaut zieht sich zusammen und ich muss kräftig schlucken, um nicht von dieser plötzlich aufwallenden Emotion überwältigt zu werden. Zwecklos. Ich fahre an den Rand und atme erst einmal tief durch, bevor ich meinem sichtlich irritierten Sohn mit einer Notlüge erkläre, dass der Papa plötzlich Kopfweh bekommen hat und deshalb mal kurz anhalten musste.

Woher kommen die Gefühle?

Ich bin sicher, dass jeder von uns solche Trigger kennt. Ein Lied, ein Geruch, ein bestimmtes Essen - Erinnerungen an die Kindheit - es gibt hunderte von Varianten, um Emotionen zu transportieren. Positive wie negative. Die emotionale Aufladung solcher Elemente verläuft unterbewusst, ohne dass wir das mitbekommen. Ausschlaggebend ist vermutlich die ursprüngliche Konnotation, die wir damit verbinden. Im Jahr 1985 war ich 19 Jahre alt, befand mich in einem permanenten Kampf mit den traditionellen Werten und war nur allzu bereit, den Rockpoeten und ihren verführerischen Versen zu folgen. So oder so ähnlich wird das auch bei diesem Lied geschehen sein. Interessant ist dabei sicherlich, dass ich heute so emotional reagiere, während das vor 30 Jahren sicherlich nicht der Fall gewesen ist (soweit ich mich erinnere ...). 

Direkt ins Herz

Die Supermarktkette Edeka hat uns vor zwei Jahren ein wunderbares Beispiel geliefert. In einem Werbespot unter dem Hashtag #heimkommen konnten wir sehen, wie ein Großvater seine Familie an Weihnachten auf eine unvorhersehbare und sehr emotionale Weise zusammenbringt. Über 29 Millionen (!) Views auf Youtube in nur einer (!) Woche (heute sind es bereits 60 Mio.) zeigen, wie sehr dieser Spot die Menschen berührt hat. Testen Sie das mal selbst - und legen Sie sicherheitshalber gleich ein Taschentuch bereit. 

Auch, wenn man nicht direkt am Wasser gebaut hat, ist es schwierig, die Botschaft nicht zu verstehen - und nicht unmittelbar darauf zu reagieren.

Emotion in Projekten

In meiner täglichen Arbeit als Projektleiter erlebe ich regelmäßig Situationen, in denen emotional reagiert wird. Obwohl wir methodisch arbeiten, uns an Pläne halten (müssen) und formale Prozesse durchlaufen, bleibt das nicht aus. Zuweilen sind es gerade die formalen Abläufe, die Widerstände und Überreaktionen auslösen. Für den Projektleiter ist es dann meist schwierig, die eigentlichen Auslöser zu identifizieren und solche Situationen richtig zu managen. Ich bin sicher, dass das in jeder Führungsbeziehung ein Thema ist. Wir drücken manchmal unbewusst und ohne Absicht bestimmte Knöpfe, die bei unserem Gegenüber eine Reaktion auslösen. Häufig können wir dann nur noch betroffen beobachten, wie die Situation eskaliert.

Wie gehen wir damit um?

Wenn wir auf bestimmte Situationen oder Aussagen heftig reagieren, dann kann das freilich verschiedene Ursachen haben. Das soziale Umfeld, die eigene Erziehung, der dominante Vater - all das kann dabei eine Rolle spielen. Ich will daher nicht behaupten, dass das WARUM jeder Reaktion mit der emotionalen Aufladung erklärt werden kann. Und deshalb gibt es auch kein Patentrezept zur Vorbeugung bzw. Vermeidung. Aus meiner Erfahrung können die meisten Menschen aber recht gut wahrnehmen, WANN sie emotional reagieren. Nämlich dann, wenn die Emotion körperlich wird. Wenn der Hals eng wird, der Blutdruck steigt oder der Puls zu rasen beginnt, dann sind das körperliche Erfahrungen, die man wahrnimmt. In solchen Fällen gibt es eigentlich nur eine Lösung: rechts ranfahren und tiefdurchatmen. Und wenn dafür eine Notlüge notwendig ist, dann tun Sie das bitte - im Interesse aller, mit denen Sie weiter zusammenarbeiten wollen.


*"Lavender" stammt von der britischen Band Marillion und wurde im Jahr 1985 auf dem Konzept-Album "Misplaced Childhood" veröffentlicht.


Gutes Klima, alles prima!

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