Uwe Sunkel

Seit über 20 Jahren führt Uwe Sunkel Projekte im nationalen und internationalen Human Resources Umfeld durch. Zu seinen Kunden gehören Unternehmen des Mittelstands ebenso wie internationale Großkonzerne.

Der Ton macht die Musik

Der Ton macht die Musik

In dieser Woche hat ein Artikel aus dem Handelsblatt meine Aufmerksamkeit erregt, der wohl eher zur Belustigung gedacht war. Darin geht es um Bewerber-Absagen, die neben dem Inhalt vor Überheblichkeit nur so strotzen. Die zitierten Beispiele haben ohne Zweifel einen gewissen Unterhaltungswert - sind aber auch gleichzeitig ein Armutszeugnis für unsere Zunft.

Fehlplatzierte Überheblichkeit

Da ist z. B. von einer Bank zu lesen, welche den Bewerber in der Absage bittet „von weiteren Bewerbungen Abstand zu nehmen", da das Profil auch in Zukunft nicht passen würde. Ich kann mir nur allzu lebhaft vorstellen, welcher Teufel den Recruiter geritten hat, der sich zu einer solchen Begründung hinreißen ließ. Ist es doch ein häufig beobachtetes Phänomen, dass sich Kandidaten auf Stellen bewerben, deren Anforderungen sie tatsächlich nicht erfüllen. Auch wir kennen das von manchen Interim Managern, die sich auf öffentliche Projektausschreibungen bewerben. Da gewinnt man gelegentlich den Eindruck, der Kollege könne nicht lesen. Das ist im Recruiting für Festanstellungen nicht anders.

Die Außenwirkung wird unterschätzt

Doch selbst wenn dem so ist und sich die Recruiting-Abteilungen angesichts mancher Bewerbungen vor Lachen biegen, so bleibt es dennoch eine Frage des Anstands und der professionellen Berufsausübung, höflich und wertneutral zu antworten. Persönliche Angriffe oder zwischenzeilige Hinweise auf eine andere Weltsicht sind nicht das Mittel der Wahl, wenn Kandidaten aus dem Bewerbungsprozess herausgenommen werden müssen. Dabei darf auch nicht vergessen werden, dass jeder Bewerber gleichzeitig ein Meinungsbildner ist. Jeder Eindruck, der durch eine gute oder schlechte Absage entsteht, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit im Bekannten- und Freundeskreis des Betroffenen weitergegeben. Allein das sollte den Recruitern Grund genug sein, mit Weitblick und Fingerspitzengefühl zu agieren.

Im Durchschnitt geben Menschen einen positiven Eindruck an drei Freunde oder Bekannte weiter. Negative Erfahrungen hingegen werden durchschnittlich zehnmal weitererzählt. Bewerber mit negativen Erlebnissen sind also die wesentlich stärkeren Multiplikatoren als jene mit positiven.

Ein hausgemachtes Problem?

Das Fatale an der ganzen Geschichte ist, dass das Problem nicht selten hausgemacht ist. Insbesondere dann, wenn unerfahrene Recruiter dem Druck starker Fachbereiche nachgeben und Stellenanzeigen veröffentlichen müssen, deren Inhalt keine präzise Auswahl zulässt. Dann ist der Frust eigentlich bereits vorprogrammiert. Wer nach dem „guten Teamplayer" oder der „engagierten Mitarbeiterin" sucht, der darf sich nicht wundern, wenn in den Bewerbungsunterlagen Phrasen gedroschen werden. Das führt dann zum Auflisten gleichförmiger Kompetenzkataloge wie "strategisch, analytisch, zupackend, führungs- und verhandlungsstark" in der schriftlichen Bewerbung. Solche nichts-sagenden Kriterien sind auf der Grundlage von Papier nicht verifizierbar und führen eher zu Skepsis als zu Begeisterung.

Der Ton macht die Musik

Dabei ist es so einfach, mit gutem Ton zu kommunizieren - selbst dann, wenn der Inhalt der Nachricht eine Absage ist. Die Deutsche Bahn formuliert in ihren Absagen z. B.: „Bitte lassen Sie sich jetzt nicht entmutigen, sondern sich vielmehr darin bestärken, auch weiterhin aktiv z. B. auf unserem Karriereportal (...) nach alternativen Positionen zu schauen. Vielleicht ergibt sich ja zu einem späteren Zeitpunkt mit einer anderen Stelle eine neue Chance bei der DB für Sie." Dem ist wenig hinzuzufügen.

Absagen gehören in die Hände von Profis

Eine Bitte am Ende dieses Beitrags habe ich noch. Leider beobachten wir auffallend oft, dass Volumen-Administration (z. B. das Schreiben von Absagen) an Praktikanten „abgedrückt" wird. Tun Sie das bitte nicht! Eine Absage ist ein gleichrangiges Element in einem professionell durchgeführten Recruiting-Prozess. Genauso wie eine Zusage mit nachfolgender Einstellung. Allein schon aufgrund der Außenwirkung gehört diese besondere Form der Kommunikation in die Hände von Profis. Ich habe es zwar nie gezählt, schätze aber, dass ich allein in den ersten zwei Jahren meiner HR-Karriere ca. 2.000 Absagen selbst geschrieben habe. Ich war damals (direkt nach dem Studium) als Personalreferent in einem Großkonzern tätig. Geschadet hat es mir nicht.

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Die Recruiter verspielen eine historische Chance
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Wednesday, 17 January 2018

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