Uwe Sunkel

Seit über 20 Jahren führt Uwe Sunkel Projekte im nationalen und internationalen Human Resources Umfeld durch. Zu seinen Kunden gehören Unternehmen des Mittelstands ebenso wie internationale Großkonzerne.

Das böse Erwachen hat begonnen

Das böse Erwachen hat begonnen

HR-Blogger sind echte Klugscheißer. Wir weisen auf Missstände hin und reden schlau daher - häufig, ohne Lösungsvorschläge im Angebot zu haben. Nicht selten werden wir daher von den HR-Managern eher belächelt als ernst genommen. Meist von den ewig gestrigen. Wenn ich auch einräume, dass meine Kollegen und ich selbst die Weisheit nicht gepachtet haben, so sehen wir doch die Welt von oben - und das verhilft zu einem unverstellten Blick auf das, was zum Himmel stinkt.

Kernkompetenzen wandern in die Fachbereiche

Eine der interessantesten Fragen, die in den HR-Blogs in diesem Jahr diskutiert wurde, lautete: Ist der Fachbereich der bessere Recruiter? Das Thema wurde z. B. von Henrik Zaborowski und Robindro Ullah im sogenannten HR Blind Battle (auch wieder so ein Begriff ...) aufgegriffen. Mich interessierte dabei jedoch nicht das wenig überraschende Ergebnis (57:43 für die Recruitingabteilung), sondern die Frage, warum wir solche Themen überhaupt diskutieren müssen. Recruiting ist eine DER Kerndisziplinen im Human Resources Management. Wenn das auf den Prüfstand gestellt wird, kann es mit dem Vertrauen in HR nicht allzu weit her sein. Die Alarmglocken läuten - und HR schläft selig weiter.

Ich gehöre schon seit Jahren zu denjenigen, die HR vor einer unverantwortlichen Tatenlosigkeit warnen. Damit befinde ich mich z. B. mit Thomas Eggert in guter Gesellschaft. Wir fordern schon seit langem ein „Aufwachen" und die Übernahme von unternehmerischer Verantwortung. HR Effizienz im Sinne von Wirtschaftlichkeit wird daher auch das Kernthema im Competence Book HR Effizienz Kompakt 2020 sein, welches im Oktober erscheint. Das zentrale Plädoyer finden Sie übrigens auch zwischen den Zeilen der Ullah-Argumentation. Aber so ist das eben bei uns Klugscheißern - wir werden nicht ernst genommen - bis es dann zu spät ist.

Es kommt, wie es kommen muss

Mir ist schon klar, dass eine Schwalbe noch keinen Sommer macht (vor allem nicht in Deutschland). Genauso wenig ist ein Beispiel ein Beweis für einen allgemeinen Trend. Dennoch mehren sich die Zeichen. Und gerade wir externen Berater, Interim Manager und Dienstleister sehen eben zahlreiche solcher Beispiele. Und so kam es dann auch, wie es kommen muss. Ich saß letzte Woche bei einem unserer Kunden in München und habe dort den neuen Personalleiter kennengelernt. Es handelt sich um ein mittelständisches Produktionsunternehmen mit rund 5.000 Mitarbeitern. Der Personalleiter ist jetzt seit neun Monaten an Bord. Geholt wurde er von der Geschäftsführung, die dem bisherigen HR-Manager im gleichen Atemzug eine externe Perspektive empfohlen hat (Sie verstehen?). Was war geschehen?

Im HR-Bereich wird jetzt aufgeräumt

Die Geschäftsführung, so berichtete mir mein neuer Gesprächspartner, war es leid, regelmäßig im Kompetenzgerangel zwischen den Fachbereichen und dem HR-Bereich vermitteln zu müssen. Auch in diesem Unternehmen versuchten die Fachbereiche, HR-Kernkompetenzen wie Recruiting, Vergütung und Weiterbildung sukzessive an sich heranzuziehen. Jeweils verbunden mit der Aussage, dass HR "das einfach nicht hinbekommt". Der inzwischen ausgeschiedene Personalleiter hatte es jedenfalls nicht geschafft, den lauernden Heckenschützen Einhalt zu gebieten. Stattdessen wurde er immer weiter in eine Rechtfertigungsposition zurückgedrängt. Mit dem Rücken an der Wand, ohne KPIs, mit denen er seine Erfolge hätte belegen können und vor allem ohne jegliche Inspiration hat sich dieser Manager selbst ins Verwalter-Abseits manövriert. Und einen großen Teil seiner Mannschaft gleich mit.

Durchgriff mit harter Hand

Der Neue hat sich das Szenario drei Monate lang angesehen und dann hart durchgegriffen. Anhand von ganz klaren Zielvorgaben und Zeitleisten hat er sein HR-Team (immerhin 42 Mitarbeiter) vor ein Ultimatum gestellt. Ich sag's mal mit meinen Worten. Die Botschaft lautete: "Wer meinen Weg nicht mitgeht, ist hier fehl am Platz und sollte sich einen anderen Job suchen." Jetzt könnte man argumentieren, dass dieser darwinistische Ansatz mit professioneller Mitarbeiterführung nicht viel gemein hat. Weit gefehlt! Die Ansage hatte eine geradezu kathartische Wirkung. Zwar hat sich das Unternehmen - sehr konsequent - inzwischen von 8 Mitarbeitern getrennt (darunter auch Teamleiter), das Restteam ist jedoch so sichtbar motiviert, wie ich es in den letzten vier Jahren kein einziges mal erlebt habe. Und ich kenne dieses Team wirklich sehr gut.

Das Ende des Kuschelkurses

Ganz gerade heraus: Ich bin kein Freund des Kuschelkurses. Das habe ich schon mehrfach in meinen Blogs so vertreten (z. B. in "Das Ende des Kuschelkurses") und ich tue es gerne noch einmal. Thomas Eggert spricht in diesem Zusammenhang vom Dornröschenschlaf, in dem sich viele HR-Manager nach wie vor befinden. Ich möchte dem hinzufügen, dass wir es hier nicht mit einem Märchen zu tun haben. Vielmehr nehmen immer mehr Geschäftsführer und Vorstände wahr, dass sie im HR-Bereich die falschen Partner haben. Das ist die harte Realität und wird zwangsläufig dazu führen, dass dort in absehbarer Zeit das große Aufräumen beginnt. Ich befürworte das ausdrücklich!

Neue HR-Manager in den Startlöchern

Vorstehend beschriebenes Beispiel zeigt, dass der neue Typ des HR-Managers, der HR-Effizienz zu seiner Maxime erklärt hat, bereits in den Startlöchern steht. Nehmen Sie jedes beliebige Thema, welches sich unter die Überschrift HR-Strategie subsumieren lässt. Dafür brauchen Sie bewegliche Gestalter mit Inspiration, Mut und Durchsetzungskraft. Wer im Personalbereich nicht die Chuzpe hat, sich mit neuen Ideen, innovativer Gestaltung und gelebtem Unternehmertum auch mal gegen Widerstände durchzusetzen, der gehört ins zweite Glied oder sollte den Platz freiwillig räumen. Wer in ständiger Angst um seinen eigenen Job das Risiko scheut, Entscheidungen und Committment bei der Geschäftsführung einzufordern, der hat nicht verstanden, was Management heißt. Wir brauchen im Personalbereich keine "Ankündigungsweltmeister", wie meine Kollegin Barbara Braehmer das nennt, sondern operative Umsetzer. So einfach ist das.

Mir ist klar, dass ich einige meiner Leser mit so offenen Worten vor den Kopf stoße. Und natürlich werden die Betroffenen zahlreiche Rechtfertigungen vorbringen oder gar den Gegenbeweis antreten. Tun Sie das ruhig und nennen Sie mich gerne weiterhin einen Klugscheißer. Die Uhr läuft ...

Rate this blog entry:
HR zwischen Effizienz und Effektivität
Der Herbst wird effizient - HR Effizienz kompakt

Related Posts

 

Comments 1

Guest - Winfried Felser on Monday, 01 September 2014 09:42

Hallo Herr Sunkel,

toller Beitrag, bin gespannt auf mehr in diese Richtung!

Beste Grüße

Winfried Felser

Hallo Herr Sunkel, toller Beitrag, bin gespannt auf mehr in diese Richtung! Beste Grüße Winfried Felser
Already Registered? Login Here
Guest
Wednesday, 17 January 2018

Captcha Image

about us

More than 2,800 pre-qualified profiles from almost all sectors and specialist areas are available at expertence. Using intelligent filter functions, experienced pool managers identify suitable candidates for the respective project request of our customers.

Expert Update

We are happy to inform you regularly about new manager and expert profiles.

Contact

expertforce interim projects GmbH
Konrad-Zuse-Platz 8
81829 München

+49 89 2070 42 170
info@expertence.com
Mo-Fr: 09.00 - 18.00

SiteLock

COM_PAYPLANS_LOGGER_CRON_START