Uwe Sunkel

Seit über 20 Jahren führt Uwe Sunkel Projekte im nationalen und internationalen Human Resources Umfeld durch. Zu seinen Kunden gehören Unternehmen des Mittelstands ebenso wie internationale Großkonzerne.

Wie geht es mit den Online-Portalen weiter?

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In den letzten Wochen und Monaten ist es ruhig geworden, rund um die Online-Portale für Interim Manager. Man gewinnt den Eindruck, als wäre der Hype verflogen und viele Anbieter wieder in der Versenkung verschwunden. Wir erinnern uns: im Jahr 2017 lief eine Welle der Erschütterung durch die Branche. Plattformen tauchten in einem alteingesessenen Markt auf und machten sich daran, das Geschäft der Provider anzugreifen. Die Presse und Branchenverbände griffen das Thema auf und sorgten für weitere Verunsicherung. In der Folge sprangen einige Anbieter auf den rollenden Zug und Alternativen schossen zeitweise wie Pilze aus dem Boden. War das nur ein Strohfeuer?

expertence ist einer der Vorreiter unter den Manager-Plattformen. Als First-Mover hatten wir die ehrenvolle Aufgabe, Leistungen und Angebote zu testen. Das haben wir mit viel Energie und noch mehr Kapital getan. Wie bei jeder Produktentwicklung haben bestimmte Dinge sehr gut funktioniert und andere sind nicht über das Stadium des Prototypen hinausgekommen. Fair enough. Letztendlich bestimmt der Markt das Angebot und nicht der Anbieter. Nach inzwischen rund 3 Jahren der Geschäftstätigkeit und mit den gemachten Erfahrungen haben wir heute einen sehr guten Überblick über diesen Markt.

Die wichtigste Erfahrung der Anbieter

Die wichtigste Lektion war, dass die Verlagerung der Arbeit auf die Seite der Kunden nur bedingt funktioniert. Rückblickend müssen wir feststellen, dass es bis heute keinem Anbieter gelungen ist, den Kundennutzen so messbar zu steigern, dass die Nutzung des Portals einen echten Nutzen darstellt. Warum ist das so? Rufen wir uns dazu noch einmal die ursprüngliche Intention der Portal-Anbieter ins Gedächtnis: Digitalisierung des Vermittlungsprozesses durch ein Profil-Matching innerhalb einer Online-Plattform. Der Portal-Betreiber stellt (nur) den Algorithmus zur Verfügung und der Kunde sucht/findet selbst. Um zu verstehen, woran dieser Anspruch (zumindest heute noch) scheitert, muss man erklären, was "Matching" eigentlich bedeutet. Ein gutes Beispiel ist Amazon. Dieser Online-Marktplatz arbeitet mit sogenannten referentiellen Filtern. Sie kennen das: links auf der Seite können Sie mit ein paar Mausklicks festlegen, welche Kriterien die Suchauswahl erfüllen muss. Was Sie nicht sehen, ist, welche zusätzlichen Informationen Amazon in die Auswahl einbezieht. Z. B. die Verfügbarkeit der Artikel im Lager, die Reaktionszeit des Produktherstellers, die Beurteilungen anderer Benutzer usw. Diese Kriterien tragen entscheidend dazu bei, an welcher Stelle ein Produkt/Anbieter in den Suchergebnissen angezeigt wird. Hat der Produktanbieter z. B. bestimmte Anlieferungstermine im Amazon-Lager nicht eingehalten oder ist die Anzahl der Negativ-Bewertungen in der letzten Zeit messbar angestiegen, dann fließt das in die Suchauswahl mit ein. Im Ergebnis erhalten Sie gute, passende Ergebnisse. Bei Amazon - nicht bei den Online-Portalen für Interim Manager.

Warum Matching im Interim Management nicht funktioniert

Wir sprechen hier über qualitative Kriterien. Und genau da liegt das Problem. Die bekannten Online-Portale haben es zwar geschafft, mehr oder weniger gute Filter in ihre Plattformen einzubauen. An der Bewertung der weichen Kriterien sind sie jedoch bislang gescheitert. Und dafür gibt es auch gute Gründe. Um das obige Beispiel anzuwenden, müssten wir in einer Plattform neben der fachlichen Erfahrung z. B. auch ein Persönlichkeitsprofil der Kandidaten abbilden. Um es einmal ganz deutlich zu sagen: jeder Kandidat müsste sich zur vollständigen Transparenz über seine Fähigkeiten und seine Persönlichkeitsmerkmale verpflichten. Darunter fallen positive wie negative Kritiken aus bisherigen Mandaten, eignungsdiagnostische Persönlichkeitstests und vor allem die Zustimmung, solche Informationen in den Such- und Auswahlprozess einfließen lassen zu dürfen. Spätestens beim letzten Punkt wird es aus Gründen des Datenschutzes für die Anbieter nahezu unmöglich, den Anspruch zu erfüllen. Man stelle sich das einmal bildlich vor: bei einem Interview kommt heraus, dass ein Kandidat narzistische Persönlichkeitsmerkmale zeigt. Diese Information müsste mit Einwilligung des Kandidaten im Matching berücksichtigt werden. Können Sie sich das wirklich vorstellen?

Wie geht es nun weiter?

Ich bin davon überzeugt, dass die digitale Transformation vor unserem Geschäft keinen Halt machen wird. Die Neugier der nachwachsenden Generation von Führungskräften, Prozesse zu digitalisieren, ist sehr groß. Joachim Flebbe, der Gründer der Cinemax-Kinos, brachte es seinerzeit auf den Punkt. Auf die Frage, warum er denn gerade in Zeiten des Kinosterbens ein solches Unternehmen gründe, antwortete er: "Das Publikum ist da - man muss ihm nur die richtigen Kinos bauen." Dieser Satz beschreibt genau, wie wir denken müssen. Deswegen gibt es expertence auch immer noch und deswegen werden wir expertence auch weiter vorantreiben. Das geschieht leise im Hintergrund. Und überhaupt erfolgt die Vermittlung der meisten Projekte auch leise im Hintergrund. Um Ihnen mal ein Gefühl zu geben: mehr als 90% aller in den letzten 3 Jahren vermittelten Projekte lief nicht über die Plattform sondern auf persönlicher Ebene.

Soll ich mich jetzt trotzdem noch registrieren?

UNBEDINGT! Warum sage ich das so klar? Nun - es gibt bereits Teile des Vermittlungsprozesses, die wir sehr gut digitalisieren konnten. Dazu gehört der Research-Prozess. Das ist immer und überall der erste Schritt im Recruiting-Prozess. Ganz gleich, ob es sich um einen Personalberater, einen Recruiter im Unternehmen oder um einen Interim Management Provider handelt. Im ersten Schritt müssen wir die Kandidaten identifizieren, die wir hinterher beurteilen möchten. Wenn Sie im expertence Manager-Pool registriert sind, können Sie aus einem Katalog von rund 20 Funktionsbereichen auswählen, über welche Projektanfragen wir Sie informieren sollen. Das tun wir dann aktiv und kostenfrei. Sie entscheiden, ob die Anfrage für Sie interessant ist und melden sich nur dann bei uns zurück. Ab diesem Moment beginnt ein persönlicher Auswahlprozess, in dem wir mit Ihnen in einem Informationsgespräch klären, ob die Projektanfrage für Sie in Frage kommt. Um noch eimal das Amazon-Beispiel zu bemühen: Wenn Sie Ihr Produkt verkaufen möchten, müssen Sie es zunächst in unser Lager legen. Anders als bei Amazon ist das bei expertence allerdings für Sie vollständig kostenfrei.

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