Uwe Sunkel

Seit über 20 Jahren führt Uwe Sunkel Projekte im nationalen und internationalen Human Resources Umfeld durch. Zu seinen Kunden gehören Unternehmen des Mittelstands ebenso wie internationale Großkonzerne.

Neue Recruiter statt Recruiting Tools

Neue Recruiter statt Recruiting Tools

In wenigen Tagen ist es genau ein Jahr her, dass ich die Forderung „Neue Recruiter braucht das Land" laut propagiert und dafür viel Schelte erhalten habe. Meine Kollegen der beratenden Zunft waren zwar weitgehend meiner Meinung – aus dem Lager unserer Kunden gab es jedoch wenig Beifall. Grund genug, nach 12 Monaten eine Zäsur zu versuchen.

Was hat sich getan?

Was hat sich denn nun getan beim Recruiter 1.0 und seinem überholten Skillset? Ja, es wurde in den letzten vier Quartalen viel über Active Sourcing, Social Media Recruiting etc. diskutiert. Auch neue Schweine, wie zeitversetzte Interviews oder Mobile Recruiting, wurden durch das vielzitierte Dorf getrieben. Ich habe all diese Ansätze einerseits mit viel Wohlwollen betrachtet, kam mir dabei jedoch immer auch ein wenig vor, wie das kleine Kind vor dem Obi-Regal. Geben Sie einem 5-Jährigen eine Säge für 10 Euro und eine für 100 Euro. Das Ergebnis wird immer zwischen ausgefransten Sägemustern und dem Verlust diverser Gliedmaßen liegen – selten jedoch in einem präzisen Schnitt.

Werkzeuge statt Knowhow

Ähnlich ist es mit den vielen guten Ansätzen. Das sind nicht mehr als Werkzeuge. Vielleicht sogar Profi-Tools. In den Händen unerfahrener Laien oder unbelehrbarer Verweigerer jedoch nichts wert. Ich glaube inzwischen, dass wir viele Monate über die Behandlung von Symptomen lamentiert – und dabei leider zu wenig über die Ursachen nachgedacht haben. Inzwischen werden wieder die ungeduldigen Stimmen laut, die das Recruiting am liebsten zurück in den Fachbereich geben möchten. Auch das ist aber nicht mehr als eine populistische Forderung, die nicht zuende gedacht wurde.

Die falschen Forderungen

Gerade gab es dazu einen Beitrag im von mir ansonsten sehr geschätzten Human Resources Manager (Warum Fachbereiche mehr Recruiting machen sollten), der anhand von sieben Gründen diese Forderung aufstellt. Da heißt es dann z. B. „Je spezieller die Fachkenntnisse für eine Stelle sind, desto weniger kann HR mitreden." oder „Je aktiver das Recruiting, desto mehr kann der Fachbereich übernehmen.". Ja genau – und nachts ist es kälter als draußen. Ich möchte dem Autor nicht zu nahe treten. Zumal er im ausleitenden Statement versöhnliche Töne anstimmt:

„Natürlich bleibt HR im Recruiting weiter wichtig. Zum einen sehe ich da strategische Aufgaben. Es braucht einen stimmigen Überbau, ein Employer Branding aus einem Guss, zudem läuft die Personalplanung bei HR zusammen (soweit sie langfristig möglich ist). Und es bleibt eine wichtige beratende Rolle. Ich denke da vor allem an Fragen zum Arbeitsrecht (AGG, Kündigungsschutz, Arbeitsverträge, etc.). In jedem Fall aber würde es in vielen Firmen Sinn machen, wenn die Fachbereiche mehr Recruiting machen würden, vor allem weil sie näher dran sind an den Kandidaten. Bedingung wäre allerdings, dass sie sich dafür auch interessieren."

Den Bock zum Gärtner ...

Mir ist da trotzdem einfach zu wenig Fleisch an den Knochen. HR gehört zum einen nicht auf die Verwaltung reduziert (genau das steht in dem Zitat aber zwischen den Zeilen ...) und zum anderen mag ich mir gar nicht vorstellen, in welches Desaster die Unternehmen geraten, wenn völlig Recruiting-unerfahrene Controller, Einkäufer oder Entwicklungsleiter auf die armen Kandidaten losgelassen werden. Fachgespräche sind das Eine. Die Entscheidung für einen bestimmten Arbeitgeber das Andere. Die Wahrscheinlichkeit ist einfach hoch, dass die Fachabteilungen jeden Bewerber solange bequatschen, bis der die letzte Lust verloren hat. Klar, das bekommen die meisten Recruiter auch hin – aber dort sollte eigentlich die Kernkompetenz liegen. Und wenn das nicht der Fall ist, dann gehört dieser Skill einfach trainiert. Das macht jedenfalls mehr Sinn, als die Vertreter aus dem Business zu Recruitern zu schulen. Wir machen normalerweise nicht den Bock zum Gärtner und wir bilden die Recruiter auch nicht zu Raketenwissenschaftlern aus. Und um das auch nochmal ganz deutlich zu sagen: Wer es nach dem Training und ausreichend Zeit zum Üben noch immer nicht kann, der gehört gefeuert. Auch das habe ich in meinen Blogs ja immer wieder gefordert. Wir sind hier nicht auf dem Kinderfasching sondern im Krieg.

Neue Recruiter statt teure Werkzeuge

Unter dem Strich muss ich leider sagen, dass ich bei mir selbst eine gewisse Müdigkeit verspüre, überhaupt noch über die Buzz-Themen im Recruiting zu schreiben. Es ist doch alles bereits gesagt und hundertfach in den verschiedenen Recruiting-Blogs verwurstet worden. Das ist mir alles zu viel Blahblah ... Auch die zahllosen Recruiting-Umfragen bringen keine neuen Ergebnisse mehr. Die Inhalte schmecken mir – und vermutlich auch den Lesern da draußen – wie der zehnte Aufguss eines Tee-Beutels. Woher sollen die neuen Themen auch kommen. Letztendlich ist es so, wie ich gesagt habe: Das Land braucht keine neuen Werkzeuge – sondern neue Recruiter!

 

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