Uwe Sunkel

Seit über 20 Jahren führt Uwe Sunkel Projekte im nationalen und internationalen Human Resources Umfeld durch. Zu seinen Kunden gehören Unternehmen des Mittelstands ebenso wie internationale Großkonzerne.

Bewerben Sie sich professionell - oder lassen Sie es bitte bleiben

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Es wundert mich immer wieder, wenn ich Bewerbungen von Interim Managern erhalte, die nicht einmal den Mindestanspruch an eine Bewerbung erfüllen. Sätze sind in der deutschen Sprache meist nach dem Schema Subjekt - Prädikat - Objekt aufgebaut. Gleichwohl erhalten wir Emails in großer Zahl, die ungefähr folgenden Inhalt haben: „Anbei meine Unterlagen." oder „Bin an diesem Projekt interessiert." Fertig. Keine Anrede. Kein „Mit freundlichen Grüßen." Nichts weiter. Selbst die Tweets des Donald Trump sind ergiebiger, als die Anschreiben so mancher Bewerber. Während sich allerdings der amerikanische Präsident - wie vermutet werden darf - über die Wirkung und Tragweite seiner Kurznachrichten im Klaren ist, scheinen die Kandidaten keineswegs zu ahnen, was sie mit solchermaßen gekürzten Satzfragmenten bewirken. Ich möchte Ihnen daher heute einmal vor Augen halten, welchen Kollateralschaden Sie erzeugen, wenn Sie die Grundregeln der Netiquette nicht befolgen.

Projekte und Jobs

Wir betreiben mit expertence.com selbst eine Ausschreibungsplattform für Projekte. Im Ausschreibungstext für das jeweilige Mandat erklären wir zum einen, welche Aufgaben übernommen werden sollen und beschreiben natürlich auch das Anforderungsprofil. Nicht jeder Projektanbieter tut das im gleichen Detaillierungsgrad (das wäre jetzt einen eigenen Blogbeitrag wert …), jedoch sehen wir überwiegend Ausschreibungen, die ganz gut erklären, worum es geht. Stellen Sie sich einmal für den Moment vor, es würde sich bei diesen Projektausschreibungen um eine normale Stellenausschreibung auf Monster.de oder einem vergleichbaren Jobportal handeln. Als langjährig erfahrener Recruiter weiß ich, dass sich die meisten Bewerber bei Interesse an der Stelle redliche Mühe geben würden, in dem Bewerbungsanschreiben auf das Suchprofil zu referenzieren. Das gelingt mal mehr, mal weniger, gut - jedoch ist der Versuch meist deutlich erkennbar.

Perspektivenwechsel: Was passiert, wenn Sie das gleiche Profil nicht für eine Festanstellung ausschreiben, sondern im Rahmen der Suche nach einem selbständigen Interim Manager? Ob Sie es glauben, oder nicht - die meisten Kandidaten nehmen überhaupt keinen Bezug auf den Ausschreibungstext. Stattdessen beschränken sich die Antworten auf rudimentäre Inhalte wie „Anbei meine Unterlagen." oder den Hinweis „siehe Profil". Ich bin dann stets fassungslos und frage mich, mit welcher Wertschätzung solche Bewerber einem Kunden gegenüber treten, wenn es nicht einmal für eine höfliche Anrede und die Grußformel reicht. Sie können sich vielleicht vorstellen, dass solche Bewerbungen nur im äußersten Notfall in Betracht gezogen werden. Normalerweise kommen die nicht einmal auf die Shortlist.

Ein Erklärungsversuch

Woran liegt das? Ich kann es mir nur so erklären, dass viele Interim Manager in den vielen Jahren ihrer Berufstätigkeit einfach verlernt haben, sich ordentlich zu bewerben. Die meisten Anfragen erreichen die Interim Manager per Telefon, z. B. über einen persönlichen Kontakt oder einen Provider. In dem Fall ist es natürlich nicht erforderlich, ein Bewerbungsanschreiben zu formulieren. Der Kandidat reagiert (kommuniziert) nur, anstatt aktiv zu agieren. Nun verändert sich der Markt aber. Projektanbieter veröffentlichen ihre Mandate zunehmend z. B. in Online-Portalen. Und auf solche Mandate muss man sich ebenso bewerben, wie auf eine Stellenanzeige. Dabei ist es auch vollkommen egal, ob Sie für Ihre Bewerbung ein Formularfeld ausfüllen, eine Email verschicken oder einen auf handgeschöpftem Büttenpapier geschriebenen Brief in die Post geben. Gehen Sie bitte bei einem Online-Formular davon aus, dass sich der Webdesigner gut überlegt hat, welche Formularfelder er Ihnen anbietet. Normalerweise hat er das getan, um wichtige Informationen abzufragen - und nicht nur deshalb, weil auf der Seite noch ein bißchen Platz übrig war. Ein Textfeld, das z. B. für das Anschreiben bzw. einen persönlichen Nachrichtentext angeboten wird, sollten Sie also bitte auch genau dafür nutzen.

So bewerben Sie sich richtig

 Wenn Sie mir bis hierher folgen und meine Gedanken nachvollziehen können, möchte ich Ihnen nachfolgend gerne ein paar Empfehlungen geben, wie Sie eine professionelle Projektbewerbung aufbauen. Rein vorsorglich möchte ich erwähnen, dass dies die absolute Untergrenze der gebotenen Höflichkeit darstellt. 

1. Persönliche Anrede
Eine Bewerbung beginnt mit einer höflichen Anrede. Ich komme mir fast lächerlich vor, dass ich solch eine Selbstverständlichkeit überhaupt erwähnen muss. Aber de facto lesen wir das nicht einmal bei der Hälfte der Bewerbungen. Offenbar denken die Kandidaten, eine Begrüßung sei nicht wichtig. Falsch. Auch ein Formular - wenn es denn ein Nachrichtenfeld enthält - wird dem Empfänger letztendlich als Email oder elektronische Nachricht zugestellt. Und deshalb gehört die Anrede unbedingt hinein. „Sehr geehrte Damen und Herren" oder meinetwegen auch „Lieber Projektanbieter" stehen immer an den Anfang der Bewerbung. Wenn Sie an dieser Stelle bereits schlampig arbeiten, verbauen Sie sich u. U. den gesamten Bewerbungsprozess.

2. Details
Wenn der Projektanbieter im Qualifikationsprofil bestimmte Kenntnisse, Fähigkeiten oder Branchenerfahrungen als Anforderung aufführt, dann nehmen Sie bitte darauf Bezug. Die Erwähnung hat i. d. R. einen Grund. Und gehen Sie bitte davon aus, dass der Projektanbieter genau nach diesen Schlüsselbegriffen suchen wird. Zuweilen wird sogar das beigefügte Dokument mit der Suchen-Funktion im Acrobat Reader oder in Word nach diesen Tags durchsucht. Wenn im Anzeigentext z. B. die Tätigkeit im Automotivebereich, eine Prince 2 Zertifizierung oder operative Erfahrungen im kollektiven Arbeitsrecht erwähnt werden - und diese Begriffe im Managerprofil kein einziges mal auftauchen - dann sind Sie raus. So einfach ist das.

Oft gleichen Managerprofile eher Marketing-Unterlagen, die keinen Rückschluss auf die operative Erfahrung zulassen. Erfahrene Projektanbieter wissen das und fragen daher gezielt nach den Erfahrungen, die für sie wichtig sind. Eine Antwort wie „Meine Erfahrungen entnehmen Sie bitte den beigefügten Unterlagen." wird vom Projektanbieter wie folgt übersetzt „Ich habe keine Lust, mich bei Dir zu bewerben. Am liebsten würde ich Dir Dein dämliches Projekt um die Ohren hauen. Lies gefälligst selbst nach und such Dir Deine Informationen zusammen."

Kein Projektanbieter hat Lust, sich die gesuchten Qualifikationen in detektivischer Kleinarbeit aus den Kandidatenprofilen herauszusuchen. Er erwartet vielmehr, dass er die gesuchten Erfahrungen auf dem Silbertablett präsentiert bekommt. Bitte tun Sie ihm den Gefallen, denn Ihre Mitbewerben machen das auch. Nehmen Sie im Anschreiben darauf Bezug oder markieren Sie meinetwegen die relevanten Textpassagen im Managerprofil gelb - aber machen Sie es dem Leser bitte so einfach wie möglich, das zu finden, was er sucht.

3. Grußformel
Die Grußformel ist ebenso selbstverständlich, wie die höfliche Anrede. Eine persönliche Nachricht endet mit „Beste Grüße", „Mit freundlichen Grüßen" oder einem vergleichbaren Abschluss. Eine Nachricht mit dem alleinigen Inhalt „Anbei meine Unterlagen." wirkt wie eine Ohrfeige - zumindest ist es ausgesprochen unhöflich. Begegnen Sie Ihrem Gesprächspartner - auch dann, wenn er Ihnen nur virtuell zur Verfügung steht - mit Wertschätzung und auf Augenhöhe. Sie wollen auch nicht, dass man Ihnen die Tür ins Gesicht wirft.

Machen oder bleiben lassen

Dieser kurze Artikel ersetzt natürlich weder einen Bewerbungsratgeber noch die gute Kinderstube. Lassen Sie es mich daher einmal so formulieren: Wenn Sie glauben, dass es unter Ihrer Würde ist, sich auf eine Anzeige zu bewerben, dann lassen Sie es doch bitte einfach sein. Begehen Sie bitte nicht den Fehler, sich zu einem Prozess zu zwingen, den Sie im Grunde Ihres Herzens ablehnen. Handeln Sie bitte nicht gegen Ihre Überzeugungen. Wenn Sie aber wissen, dass Sie sich keinen Zacken aus der Krone brechen, indem Sie sich wie ein normaler Bewerber auf eine Stellenanzeige melden, dann tun Sie es bitte professionell und unter Einhaltung der Netiquette.

Viel Erfolg!

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