Uwe Sunkel

Seit über 20 Jahren führt Uwe Sunkel Projekte im nationalen und internationalen Human Resources Umfeld durch. Zu seinen Kunden gehören Unternehmen des Mittelstands ebenso wie internationale Großkonzerne.

Zeit des Erwachens

erwachen

Eine der interessantesten Fragen, die in den HR-Blogs in diesem Jahr diskutiert wurde, lautete: Ist der Fachbereich der bessere Recruiter? Das Thema wurde z. B. von Henrik Zaborowski und Robindro Ullah im sogenannten HR Blind Battle aufgegriffen. Mich interessierte dabei jedoch nicht das wenig überraschende Ergebnis (57:43 für die Recruitingabteilung), sondern die Frage, warum wir solche Themen überhaupt diskutieren müssen. Recruiting ist eine DER Kerndisziplinen im Human Resources Management. Wenn das auf den Prüfstand gestellt wird, kann es mit dem Vertrauen in HR nicht allzu weit her sein. Die Alarmglocken läuten - doch HR schläft selig weiter.

Ich gehöre zu denjenigen, die HR vor einer unverantwortlichen Tatenlosigkeit warnen. Damit befinde ich mich z. B. mit Thomas Eggert in guter Gesellschaft. Wir fordern schon seit langem ein „Aufwachen" und die Übernahme von unternehmerischer Verantwortung. HR Effizienz im Sinne von Wirtschaftlichkeit ist daher auch das Kernthema dieses Competence Books.

Es mehren sich die Zeichen

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Genauso wenig ist ein einzelnes Beispiel ein Beweis für einen allgemeinen Trend. Dennoch mehren sich die Zeichen. Und gerade wir externen Berater, Interim Manager und Dienstleister sehen in letzter Zeit zahlreiche solcher Beispiele. Ich saß z. B. unlängst bei einem unserer Kunden und habe dort den neuen Personalleiter kennengelernt. Es handelt sich um ein mittelständisches Produktionsunternehmen mit rund 5.000 Mitarbeitern. Der Personalleiter ist jetzt seit neun Monaten an Bord. Geholt wurde er von der Geschäftsführung, die dem bisherigen HR-Manager im gleichen Atemzug eine externe Perspektive empfohlen hat.

Was war geschehen? Die Geschäftsführung, so berichtete mir mein neuer Gesprächspartner, war es leid, regelmäßig im Kompetenzgerangel zwischen den Fachbereichen und dem HR-Bereich vermitteln zu müssen. Auch in diesem Unternehmen versuchten die Fachbereiche, HR-Kernkompetenzen wie Recruiting, Vergütung und Weiterbildung sukzessive an sich heranzuziehen. Jeweils verbunden mit der Aussage, dass HR "das einfach nicht hinbekommt". Der inzwischen ausgeschiedene Personalleiter hatte es jedenfalls nicht geschafft, den lauernden Heckenschützen Einhalt zu gebieten. Stattdessen wurde er immer weiter in eine Rechtfertigungsposition zurückgedrängt. Mit dem Rücken an der Wand, ohne KPIs, mit denen er seine Erfolge hätte belegen können und vor allem ohne jegliche Inspiration hat sich dieser Manager selbst ins Verwalter-Abseits manövriert. Und einen großen Teil seiner Mannschaft gleich mit.

Durchgriff mit harter Hand

Der „Neue“ hat sich das Szenario drei Monate lang angesehen und dann hart durchgegriffen. Anhand von ganz klaren Zielvorgaben und Zeitleisten hat er sein HR-Team (immerhin 42 Mitarbeiter) vor ein Ultimatum gestellt. Ich sag's mal mit meinen Worten. Die Botschaft lautete: "Wer meinen Weg nicht mitgeht, ist hier fehl am Platz und sollte sich einen anderen Job suchen." Jetzt könnte man argumentieren, dass dieser darwinistische Ansatz mit professioneller Mitarbeiterführung nicht viel gemein hat. Weit gefehlt! Manchmal braucht es klare Worte, um die notwendige Orientierung zu geben. Die Ansage hatte eine geradezu kathartische Wirkung. Zwar hat sich das Unternehmen - sehr konsequent - inzwischen von 8 Mitarbeitern getrennt (darunter auch Teamleiter), das Restteam ist jedoch so sichtbar motiviert, wie ich es in den letzten vier Jahren kein einziges mal erlebt habe. Und ich kenne dieses Team wirklich sehr gut.

Das Ende des Kuschelkurses

Ganz gerade heraus: Ich bin kein Freund des Kuschelkurses. Thomas Eggert spricht in diesem Zusammenhang vom Dornröschenschlaf, in dem sich viele HR-Manager nach wie vor befinden. Ich möchte dem hinzufügen, dass wir es hier nicht mit einem Märchen zu tun haben. Vielmehr nehmen immer mehr Geschäftsführer und Vorstände wahr, dass sie im HR-Bereich die falschen Partner haben. Das ist die harte Realität und wird zwangsläufig dazu führen, dass in absehbarer Zeit das große Aufräumen beginnt.

Vorstehend beschriebenes Beispiel zeigt, dass der neue Typ des HR-Managers, der HR-Effizienz zu seiner Maxime erklärt hat, bereits in den Startlöchern steht. Nehmen Sie jedes beliebige Thema, welches sich unter die Überschrift HR-Strategie subsumieren lässt. Dafür brauchen Sie bewegliche Gestalter mit Inspiration, Mut und Durchsetzungskraft. Wer im Personalbereich nicht die Chuzpe hat, sich mit innovativen Ideen und gelebtem Unternehmertum auch mal gegen Widerstände durchzusetzen, der gehört ins zweite Glied oder sollte den Platz freiwillig räumen. Wer in ständiger Angst um seinen eigenen Job das Risiko scheut, Entscheidungen und Committment bei der Geschäftsführung einzufordern, der hat nicht verstanden, was Management heißt. Wir brauchen im Personalbereich keine "Ankündigungsweltmeister", wie meine Kollegin Barbara Braehmer das nennt, sondern operative Umsetzer. So einfach ist das.

Zeit des Erwachens

Also vor kurzem Robin Williams verstarb, habe ich mir wieder einmal das beeindruckende Filmdrama „Zeit des Erwachens“ angesehen. In Marshalls Melodram verhilft der New Yorker Arzt Malcolm Sayer einem an der Europäischen Schlafkrankheit leidenden Patienten zum Erwachen aus einem bereits 30 Jahre währenden Koma. Dieser Patient, Leonard Lowe, erlangt das Bewusstsein wieder und beginnt mit seiner Rehabilitation. Nach ersten Erfolgen kommt es jedoch zu Rückfällen und schließlich fällt Lowe ins Koma zurück. Ich komme nicht umhin, darin gewisse Parallelen zu sehen.

Als Human Resources Manager, der ich seit nunmehr 20 Jahren bin, wünsche ich mir, dass HR dieses Schicksal erspart bleibt. Was mich hoffen lässt, ist, dass - anders als bei einer unheilbaren Krankheit - wir das Ruder selbst in der Hand haben. Dieses Competence Book kann ein wenig dazu beitragen können, HR mit den richtigen Ideen und Werkzeugen zu versorgen. Ich wünsche Ihnen für die Umsetzung viel Erfolg!

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Montag, 11. Dezember 2017

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