Uwe Sunkel

Seit über 20 Jahren führt Uwe Sunkel Projekte im nationalen und internationalen Human Resources Umfeld durch. Zu seinen Kunden gehören Unternehmen des Mittelstands ebenso wie internationale Großkonzerne.

The Biggest Social Media Bullshit

The Biggest Social Media Bullshit

Im bunten Ringelrein der Social-Media-Plattformen gibt es einen neuen Mitspieler. Auf der Internetplattform FIMBOYANGU haben Arbeitgeber zukünftig die Möglichkeit, ihre eigenen Mitarbeiter zu bewerten. Nach Aussage der Betreiber können Unternehmen ihren Ärger über Schlechtleister oder unzufriedene Arbeitnehmer dort offen kommunizieren. Armes Deutschland ...

Worum geht es dabei?

Schauen wir uns die Idee nochmals etwas genauer an. Da sollen Arbeitgeber also demnächst nach alt-testamentarischer Art und getreu dem Grundsatz „Auge um Auge - Zahn um Zahn" ihre eigenen Mitarbeiter an den Pranger stellen. Über Herrn Müller wird dann dort zu lesen sein, dass dieser regelmäßig Montags zu spät kommt und auch ansonsten gerade mal Dienst nach Vorschrift macht. Der Beitrag stammt von seinem Vorgesetzten, der seinem Unmut darüber - natürlich anonymisiert - Luft verschafft. Merkwürdiger Ansatz: Arbeitgeber können auf diese Weise eklatante Führungsmängel bei den Vorgesetzten durch Diffamierung ihrer Mitarbeiter ersetzen. Grundgütiger!

Die Plattform setzt den Kontra-Pol zum Bewertungsportal KUNUNU, welches den Mitarbeitern die Möglichkeit gibt, ihre Arbeitgeber zu bewerten. Diesen Spieß will FIMBOYANGU nun umdrehen. Der Funktionsumfang ist wirklich durchdacht. So soll es z. B. eine unmittelbare Verknüpfung zu den Social-Media-Profilen von Mitarbeitern und Bewerbern geben. Auf diese Weise soll auch für Recruiter, die Active Sourcing über XING & Co. einsetzen, sofort ersichtlich sein, wie es um die Moral und Motivation des Betroffenen bestellt ist. Momentan - auch das muss man an dieser Stelle sagen - ist die Plattform allerdings noch nicht mehr als eine Wordpress-Einstiegsseite. Wer weiß, was da wirklich kommt.

Öffentliches Mobbing

Der Name des Portals stammt übrigens aus dem Suaheli und bedeutet „Meine Mitarbeiter". Der Nutzer der Plattform kann im nächsten Schritt auch Kollegen, sogenannte „mfanyakazi" (ebenfalls Suaheli), des Bewerteten einladen, das Gleiche zu tun - also ihrerseits Kommentare über dessen Person und Leistung abzugeben. Die Betreiber sprechen in diesem Zusammenhang von einer Erhöhung der Transparenz und einer Aufwertung des Profils. Hallo? Mit Transparenz hat das nichts zu tun - das ist nichts anderes als öffentliches Mobbing über eine Internet-Plattform. Ich höre schon Armeen von Rechtsanwälten ihre Messer wetzen.

Social Media Blitzkrieg

Da fragt man sich: Warum das Ganze? Offenbar haben die Erfinder den Social-Media-Blitzkrieg gegen unbequeme Mitarbeiter und Bewerber im Sinn. In den letzten Jahren haben diese Teilnehmer im War-for-Talent eindeutig Oberwasser erhalten. Fachkräfte sind Mangelware und die Demographie-Spirale dreht sich unaufhaltsam weiter. Die Arbeitgeber wurden aufgrund dieser Entwicklungen in die Rolle des Bittstellers zurückgedrängt und leiden offenbar schrecklich unter der Umkehr der alten Machtverhältnisse. Nachdem KUNUNU dem Ganzen die Krone aufgesetzt und die Unzulänglichkeiten hinter den Kulissen sichtbar gemacht hat, ist offenbar eine Schmerzgrenze erreicht. Das Trauma kanalisiert sich nun in einer Rache der Arbeitgeber.

Motivation ist Führungsaufgabe

Ich kann verstehen, dass Führungskräfte frustriert sind und nach einem Ausweg aus dem Dilemma suchen. Jedes Unternehmen wünscht sich leistungsfähige, motivierte und gut qualifizierte Mitarbeiter. Dies zu gewährleisten, ist eine Management-Aufgabe. Auch hierbei gilt der alte Spruch: Der Fisch stinkt am Kopf zuerst. Jeder Arbeitgeber hat die Mitarbeiter, die er verdient. Wer Führung und Weiterbildung nicht beherrscht (oder gar nicht erst anbietet), der darf sich nicht beschweren, wenn seine Mitarbeiter keine Höchstleistungen erbringen. Durch Druck, Zwang oder gar Bedrohung wird sich an der Situation garantiert nichts ändern.

Ich kann nicht umhin, den Ansatz von FIMBOYANGU als armselig zu bezeichnen. Wer nur ein wenig soziologisches Grundverständnis besitzt, der weiß, dass Gewalt stets Gegengewalt erzeugt. Wenn Mitarbeiter dort an den Pranger gestellt werden, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis der nächste (verschärfte) Gegenangriff erfolgt. Das ist nicht nur kalter Krieg, sondern darüber hinaus Biggest Social-Media-Bullshit. Von Annäherung keine Spur. Ich kann nur hoffen und mir wünschen, dass die Idee im Rohr krepiert.

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Ein Armutszeugnis für den HR-Bereich
Die Recruiter verspielen eine historische Chance

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Kommentare 4

Gäste - Tippgeber am Montag, 07. April 2014 08:51

Guten Tag Herr Sunkel, schauen Sie doch mal auf das Datum der Wordpress-Seite ;-) 01. April 2014

Guten Tag Herr Sunkel, schauen Sie doch mal auf das Datum der Wordpress-Seite ;-) 01. April 2014
Gäste am Montag, 07. April 2014 09:18

Wie heißt es doch so schön: Humor ist, wenn man trotzdem lacht - und dies sogar noch über sich selbst. Sollte ich da tatsächlich einer Ente aufgesessen sein? Das wäre ja mal ein dolles Ding ...

Wie heißt es doch so schön: Humor ist, wenn man trotzdem lacht - und dies sogar noch über sich selbst. Sollte ich da tatsächlich einer Ente aufgesessen sein? Das wäre ja mal ein dolles Ding ... ;)
Gäste - Frank Stefan Bohnert am Montag, 07. April 2014 09:22

Bei diesem (Erscheinungs-)Datum höre ich allerdings auch die Nachtigall . . .

Bei diesem (Erscheinungs-)Datum höre ich allerdings auch die Nachtigall . . .
Gäste - Thomas Eggert am Montag, 07. April 2014 10:54

Also ich fände eine solche Seite schon spannend. Endlich kann man fehlende Führungskompetenz anonym eliminieren. Ich glaube, da gäbe es genügend Führungskräfte, die das nötig haben. Wäre vielleicht ein neues Geschäftsmodell ...

Also ich fände eine solche Seite schon spannend. Endlich kann man fehlende Führungskompetenz anonym eliminieren. Ich glaube, da gäbe es genügend Führungskräfte, die das nötig haben. Wäre vielleicht ein neues Geschäftsmodell ... :)
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