Uwe Sunkel

Seit über 20 Jahren führt Uwe Sunkel Projekte im nationalen und internationalen Human Resources Umfeld durch. Zu seinen Kunden gehören Unternehmen des Mittelstands ebenso wie internationale Großkonzerne.

Stolperfalle Social Media Recruiting

Stolperfalle Social Media Recruiting
Ohne großen Aufwand werden Sie zahlreiche Artikel finden, welche Social Media Recruiting als den „Stein der Weisen" verkaufen. Schwieriger ist es da schon, auch mal eine kritische Würdigung des Themas zu finden. Das Problem bei solchen Fliegenfänger-Beiträgen ist, dass eine falsche Einschätzung bei den Kunden entsteht. Der potentielle Schaden ist dann meist größer als die Chancen, die im Konzept eigentlich liegen.

Mir persönlich gefällt es überhaupt nicht, wenn ich einseitig formulierte Artikel lese, die wichtige Aspekte einfach unterschlagen. Und genau das passiert derzeit in ganz vielen Beiträgen zum Thema Social Media Recruiting (SMR) und Active Sourcing. Ein Aspekt, der regelmäßig verschwiegen wird, ist z. B. die Tatsache, dass SMR nur ein Werkzeug ist. Geben Sie einem 9-jährigen Kind einen Bohrhammer und eine Stunde unbeaufsichtigte Zeit in Ihrem Wohnzimmer. Spätestens nach diesen 60 Minuten werden Sie wissen, was ich meine.

SMR ist ein mächtiger Bohrhammer. Sie können damit zu Kandidaten durchdringen, die Sie aus eigenem Antrieb möglicherweise niemals gefunden oder gar in die engere Wahl gefasst hätten. Aber der Prozess der Ansprache, Attraktion und letztendlich der Einstellung ist mit vielen Stolperfallen versehen. Goethe hat einmal gesagt: „Wenn Sie beim Zuknöpfen des Hemdes den ersten Knopf verpassen, kommen Sie oben falsch raus." Genauso ist es bei der Nutzung der sozialen Netzwerke im War for talents. Bei einer laienhaften Nutzung richten Sie mehr Schaden an, als Sie potentiellen Nutzen erzielen.

Start auf kleiner Flamme

Viele Unternehmen, die mit SMR beginnen, versuchen zunächst auf kleinster Sparflamme zu starten. Da wird dann häufig ein Mitarbeiter, der ohnehin schon einen Premium-Account bei XING hat, gebeten, nebenbei auf die Suche nach geeigneten Bewerbern zu gehen. Gerade diese Testballons sind aus meiner Sicht ein gefährlicher Ansatz, der möglichst unterbunden werden sollte. Social Media Recruiting erzeugt immer Sichtbarkeit. Wenn die dahinter liegenden Prozesse die vorab gemachten Aussagen nicht wiederspiegeln, führt das zu einer negativen Wahrnehmung bei den Kandidaten.

Die häufigsten Fehler im Social Media Recruiting

Bei einer spontanen Nutzung von Social Media Recruiting sehen wir regelmäßig folgende Fehler, die meist aus schlechter Planung entstanden sind und sich im Lauf der Zeit gefestigt haben.

  • Verwaiste Kanäle – Verwaiste Social Media Präsenzen, auf denen seit Monaten kein Beitrag mehr erschienen ist, sind nicht professionell. Kandidaten verlassen solche Seiten sofort wieder und nehmen einen schlechten Eindruck über das gesamte Unternehmen mit.
  • Langweilige Textbausteine – Durch die Formulierung von Standard-Emails oder private Nachrichten (z. B. über XING) können Sie Bewerber vergraulen. Wenn Sie Ihre Kommunikation aus Textbausteinen zusammensetzen, wirkt das alles andere als authentisch – und vertreibt so Talente.
  • Uneinheitliche Kommunikation – Die Kommunikation in den Sozialen Netzwerken ist häufig frisch, modern und unkompliziert. Wenn Sie diesen Stil am Telefon oder Empfang nicht aufrecht erhalten, führt das zu einer gestörten Wahrnehmung beim Bewerber.
  • Schlechtes Design – Eine unattraktive Unternehmensseite, langweilige Karriereseiten oder auch Unternehmensvideos wirken erst einmal abschreckend und können bei der Entscheidung gegen ein Unternehmen eine Rolle spielen.
  • Einseitige Stellenangebote – Sie rekrutieren in einem Bewerbermarkt. Stellen Sie daher die Vorteile für den Bewerber in den Vordergrund. So wenig es Ihnen gefällt, aber die Anforderungen des Unternehmens spielen in der Anzeige aus Sicht des Bewerbers nur eine nachgelagerte Rolle.
  • Keine Entschuldigung – Wenn Sie einen Fehler machen – z. B. in der Kommunikation mit den Bewerbern – dann entschuldigen Sie sich bitte dafür. Das ist professionell und hinterlässt anderenfalls einen schlechten Eindruck.
  • Keine Entwicklungsmöglichkeiten – Young Professionals und Absolventen suchen sich in der Regel Jobs, die ihnen Perspektive und Aufstiegsmöglichkeiten bieten. Machen Sie in allen sozialen Netzwerken deutlich – und zwar in geeigneter Form -, dass es solche Perspektiven in Ihrem Unternehmen gibt.
  • Keine Dialogbereitschaft – Wer sich in den sozialen Netzwerken engagiert, sollte zum Dialog bereit sein – das gilt auch für Unternehmen. Werden Fragen von Bewerbern jedoch ignoriert oder Kommentare nicht beachtet, dann denken diese sich ihren Teil und suchen sich einen anderen Arbeitgeber.
  • Widersprüchliche Kommunikation – Zu guter Letzt: Wenn sich der Kommunikationsstil und die Aussagen in den Social Media deutlich von der sonstigen Unternehmenskommunikation unterscheiden, wirkt das alles andere als überzeugend oder glaubwürdig. Bleiben Sie daher – im Rahmen des Möglichen – Ihrer Linie treu.

Diese Punkte sind natürlich nur die Schnittmenge über viele Recruiting Projekte, die wir für unsere Kunden bereits durchgeführt haben. Recruiting Strategien und Recruiting Organisationen müssen jedoch immer individuell gestaltet werden. Insofern mögen die vorstehenden Beobachtungen ein erster Hinweis sein – nicht jedoch ein abschließender Katalog.

Fazit

Abschließend möchte ich zusammenfassen, dass die Sichtbarkeit über Social Media eben auch dazu führt, dass ein unsauberer Recruiting-Prozess öffentlich wird. Das wiederum hat zur Folge, dass sich möglicherweise genau die Kandidaten, die Sie suchen, auf Stellenausschreibungen Ihres Unternehmens erst gar nicht mehr bewerben. In einem Bewerbermarkt kann sich kein Unternehmen diesen Bewerberverlust leisten.

Social Media im Recruiting bedeutet eben auch: Man kann nicht NICHT dabei sein!

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Die Stellenanzeige hat ausgedient
Das Ende der Recruiter

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Montag, 11. Dezember 2017

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