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Uwe Sunkel

Seit über 20 Jahren führt Uwe Sunkel Projekte im nationalen und internationalen Human Resources Umfeld durch. Zu seinen Kunden gehören Unternehmen des Mittelstands ebenso wie internationale Großkonzerne.

Projektmanagement ist wie Autofahren

Projektmanagement ist wie Autofahren. „Was? So einfach?", werden Sie jetzt vielleicht denken. „Nein. So komplex!", werde ich Ihnen darauf antworten. „Aber wieso? Autofahren ist doch nicht schwierig.", werden Sie mir daraufhin entgegnen. Nun. Wenn Sie dabei an eine kerzengerade, baumbestandene Allee in Mecklenburg-Vorpommern denken – dann sicherlich nicht. Wenn Sie aber einmal versucht haben, mit dem Auto durch Delhi zu fahren, dann entsteht langsam ein Bild davon, was ich meinen könnte.

Verhalten wird erlernt

Die funktional-strukturelle Theorie beschäftigt sich mit dem Erlernen von Verhaltensmustern. Diese sind überlebenswichtig, um die Komplexität des Lebens im Allgemeinen und in unstrukturierten Situation im Besonderen zu meistern. Schon als Kind lernen wir, Regeln anzuwenden. Das gibt uns Sicherheit und bildet sozusagen Leitplanken entlang unseres Weges durch die Welt. Eine schöne Überleitung zum Autofahren.

Wenn wir mit dem Fahrunterricht beginnen, dann erlernen wir zuerst die Verkehrsregeln. Erst viel später beginnen wir – zunächst auf wenig befahrenen Straßen – mit dem Fahrunterricht. Während der gesamten Ausbildung sitzt ein erfahrender Fahrlehrer neben dem Schüler und kann ggf. ins Geschehen eingreifen. Niemals würde man den Novizen im Sportwagen und ohne Begleitung in die Innenstadt schicken. Erst sehr viel später, nachdem Sie in Prüfungen bewiesen haben, dass Sie den Anforderungen des Straßenverkehrs gewachsen sind, dürfen Sie das tun. Und meines Wissens sind es wohl auch nur die verzogenen Kinder reicher Unternehmer, die dann gleich mit dem Porsche losbrausen (dürfen).

Die Komplexität des Autofahrens​

Die Gründe für dieses Vorgehen liegen auf der Hand. Der Straßenverkehr ist eine komplexe Situation. Sie müssen zur gleichen Zeit auf die anderen Verkehrsteilnehmer, den Verkehrsfluss, die Verkehrsregeln, den Straßenzustand und vieles mehr achten. Dabei müssen Sie kuppeln, schalten, beschleunigen und bremsen. Autofahren ist eine methodisch-mechanische Kompetenz, die es zu erlernen gilt. Bis alle Verhaltensweisen so in Fleisch und Blut übergegangen sind, dass Sie bei plötzlich auftauchenden Problemen den Überblick behalten und richtig reagieren, braucht es Jahre. Mancher lernt es nie – einfach, weil es zum Erlernen praktischer Fertigkeiten auch immer den praktischen Übungsfall braucht. Und der stellt sich eben nicht täglich. Nicht ohne Grund gibt es Fahrertrainings, in denen z. B. das Fahren auf Schnee und Eis geübt werden kann.

Es wäre jedenfalls viel zu gefährlich, einen gänzlich unerfahrenen Autofahrer in den Straßenverkehr zu schicken. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser einen großen Schaden anrichtet ist einfach zu groß. Und dabei braucht es nicht einmal den Ausflug nach Delhi. Nur langsam gehen die erlernten Verhaltensweisen in automatisierte Verhaltensmuster über, die der Autofahrer dann irgendwann intuitiv abrufen kann – ohne die Entscheidung bewusst zu treffen. Es gibt dafür viele vergleichbare Beispiele. Denken Sie nur an Skifahren, Judo oder Jonglieren. Genau das gleiche Prinzip.

Die Komplexität des Projektmanagements

Wenn wir nun den Blick auf das Thema Projektmanagement lenken, dann entdecken wir Parallelen und Unterschiede. Auch bei Projekten handelt es sich meistens um sehr komplexe Situationen. Da gibt es Ziele, Budgets, Meilensteine und Stakeholder. Alle Parameter müssen im Gleichgewicht gehalten werden. Während Sie das Gleichgewicht im Auto mit Händen und Füßen aufrecht halten, geht das im Projektmanagement nur durch die Anwendung abgestimmter Methoden und Werkzeuge. Das Management von Projekten ist ein anspruchsvoller Balanceakt, den nur wenige beherrschen. Da müssen wirtschaftliche Interessen ebenso wie politische Befindlichkeiten berücksichtigt werden. Der Projektmanager hat einen klaren Auftrag, den er gemeinsam mit den Projektmitarbeitern umsetzen muss. Dabei trifft er regelmäßig auf hartnäckige Widerstände, unerwartete Hindernisse und plötzlich auftretende Krisen. Ganz so, wie der Autofahrer im indischen Großstadt-Dschungel. Gerade dann, wenn kritische Meilensteine in greifbare Nähe rücken, wird es hektisch im Projekt. Wenn der Projektmanager dann keinen kühlen Kopf bewahren kann, weil ihm z. B. die Erfahrung fehlt, ist der Unfall quasi vorprogrammiert.

Projektmanagement läuft nebenbei

Der große Unterschied zu den beschriebenen Beispielen besteht darin, dass Projekte oft – um nicht zu sagen sehr oft – mit Linien-Managern besetzt werden, die das Projekt zwar fachlich verstehen, jedoch nicht über die Methoden-Kompetenz des Projektmanagers verfügen. Ich erlebe das leider regelmäßig in den Unternehmen. Und ich bin immer wieder erstaunt. Es sollte sich doch inzwischen herumgesprochen haben, dass Projektmanagement eine Kompetenz ist, die erlernt und trainiert werden muss. Genauso wie das Autofahren, Schachspielen oder eine Operation am offenen Herzen. Untrainierte Mitarbeiter mit dem Management eines komplexen Veränderungsprozesses zu betrauen, ist grob fahrlässig. Ich lasse das Argument nicht gelten, dass ein Manager „das einfach können muss". Dies Annahme ist falsch, falsch, falsch.

Ich kann nur davor warnen, diesem Irrglauben aufzusitzen. Je kritischer das Projekt und je wichtiger das zu erreichende Ziel, desto unerlässlicher ist es, das Management einem Profi zu überlassen. Denken Sie immer daran, dass Sie das Projektergebnis ggf. am Ende vertreten müssen. Wenn Sie Zeit, Budget und Qualität nicht im Gleichklang halten, kann Sie das den Kopf kosten. Auch wenn dieses Bild zugegebenermaßen etwas martialisch ist, so wissen wir doch alle, dass es erlebter Unternehmenswirklichkeit entspricht. Vertreten Sie daher lieber die zusätzlichen Kosten für einen externen Projektmanager (die sich übrigens meistens in einem sehr moderaten Rahmen bewegen ...), als das sehr reale Risiko eines gescheiterten Projekts einzugehen.

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Kommentare (1)

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  1. Ulrich Kolzenburg

Sehr guter Analogieschlus! Genau das unterscheidet auch komplexe / excellente Projekte von "Projektadministration", also der reinen Verwaltung der ohnehin fast von selbst ablaufenden Vorgänge. DANKE für das Bild!

 
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