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Uwe Sunkel

Seit über 20 Jahren führt Uwe Sunkel Projekte im nationalen und internationalen Human Resources Umfeld durch. Zu seinen Kunden gehören Unternehmen des Mittelstands ebenso wie internationale Großkonzerne.

Interim Killed The Consulting Star

Die Consulting-Branche ist in Gefahr ... so titelte der Harvard Business Manager in der vergangenen Woche. Ein Abgesang auf die Consulting-Branche sollte damit zwar nicht eingeleitet werden. Dennoch gab der Artikel Anlass zur Diskussion und viel Applaus auf der Seite der Störenfriede - wissenschaftlich "Disruptoren" genannt.

McKinsey legt vor

Ausgelöst wurde die Diskussion offenbar von einer Geschäftsfeldinnovation, die von McKinsey vorgestellt wurde. Mit "McKinsey Solutions" stellt das weltweit führende Beratungsunternehmen seinen Kunden erstmals seine eigenen software- und technologiebasierten Analysewerkzeuge direkt zur Verfügung. Damit macht McKinsey dem Markt sein Wissen in Form von Produkten zugänglich.

Mit diesem Ansatz "... kann die Beratung, wenn sie proprietäre Analyseinstrumente beim Kunden einrichtet, dort auch in der Zeit zwischen zwei Projekten präsent bleiben. Das verbessert die Chancen auf zukünftige Aufträge. Diese geschäftlichen Vorteile dürften für die Entscheidung von McKinsey eine Rolle gespielt haben. Doch letztlich, so glauben wir, ging es um noch viel mehr: McKinsey Solutions ist als Absicherung gegen eine mögliche Disruption der klassischen Beratungsarbeit gedacht." schließen Clayton M. Christensen, Dina Wang und Derek van Bever in ihrem Artikel (vgl. Harvard Business Manager Heft 11/2013: Harte Zeiten für Berater, 15.01.2014).

Das Phänomen der Disruption

Interessant ist das schon. Das Modell der Disruption ist in der Marktforschung hinlänglich bekannt. Kurz beschrieben funktioniert es folgendermaßen: Ein Wettbewerber drängt mit neuen Geschäftsmodellen auf den Markt. Diese Modelle werden von den etablierten Unternehmen meist ignoriert. Man orientiert sich einfach in hochpreisige Marktsegmente mit höheren Margen. Der Disruptor selbst erhöht dann weitgehend ungestört sein eigenes Qualitätsniveau, bis es für den Markt plötzlich attraktiv ist. Auf diese Weise untergräbt er die Position der Marktführer. Schließlich gewinnt der Disruptor so viele Marktanteile, dass sich das Gleichgewicht zu seinen Gunsten verschiebt.

Ich lese solche Artikel, wie den des Harvard Business Managers, mit großem Wohlwollen. Warum? Weil consultnet seit langer Zeit zu diesen Disruptoren gehört. Wir haben schon vor einigen Jahren argumentiert, dass unser Geschäftsmodell eine wirtschaftlich und inhaltlich gleichermaßen attraktive Alternative zu den etablierten Beratungsunternehmen darstellt. Die Mehrzahl unserer Interim Manager verfügen über erstklassiges Fach- und Branchenwissen, mit dem sie sich durchaus mit den führenden Beratungsunternehmen messen können.

Ganz ohne geht es auch nicht

Aber Ehre, wem Ehre gebührt. Ich sage nicht, dass Berater ohne Weiteres austauschbar sind. Sogar für einen operativen Interim Manager macht es zuweilen durchaus Sinn, sehr spezielles Analyse- und Beratungswissen hinzu zu kaufen. Aber bitte immer punktuell. Und man muss fairerweise auch bestätigen, dass kleinere spezialisierte Beratungsunternehmen ebenfalls einen disruptiven Einfluss auf "die Großen" haben können. 

Was mich aber insgesamt stört - und was ich leider immer noch in vielen Unternehmen beobachte - ist der langfristige Einsatz von fachlich spezialisierten Beratern, welche die Umsetzung ihrer Konzepte jedoch beim Kunden belassen. Das ist dann leider nicht mehr als Schlaumeierei ohne echte Handlung.

Ohne Manager nutzt der beste Berater gar nichts

Was ist daran falsch? Nach meiner Erfahrung ist die Umsetzung von Beratungsergebnissen niemals eindimensional. Eine Analyse und die daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen sind insofern allenfalls ein Leitbild, ggf. auch ein Ziel-Szenario. Der Weg dorthin ist jedoch die eigentliche Herausforderung. In jedem Umsetzungsprojekt beschreiten die Protagonisten - ob gewollt oder nicht - den Weg des Change-Managements. Und unterschätzen regelmäßig dessen Wichtigkeit. Ob ein Projekt seine Ziele erreicht, hängt von den handelnden Personen ab. Von deren Verständnis und deren Bereitschaft, die Veränderungen aktiv umzusetzen. Ich bin immer wieder erschrocken, wie sicher sich manche Berater sind, dass die Mitarbeiter Ihres Kunden die Ziele des Unternehmens zu ihren eigenen machen.

Für die Unternehmen nur Vorteile

Aber genug davon. Wenn Christensen und Kollegen Recht haben, dann wird das die Consulting-Branche durchschütteln und die Branche der Interim Manager beflügeln. Eine Verschiebung von reinen Beratungsprojekten hin zu Projekten, welche von einem Interim Manager auch operativ umgesetzt werden, kann den Auftraggebern eigentlich nur gut tun. Sie wird dazu führen, dass die Umsätze der Beratungsunternehmen drastisch sinken und Budgets stattdessen in die operative Umsetzung umgeschichtet werden. Vermutlich wird diese Umschichtung insgesamt auch zu geringeren Kosten führen, da die Tagessätze selbst eines erfahrenen Interim Managers noch immer deutlich unterhalb denen der Unternehmensberater liegen. Auch das ist gut so.

Insgesamt - aber das ist jetzt wirklich sehr weit in die Zukunft gedacht - kann die prognostizierte Disruption der Consulting-Branche zu der aus meiner Sicht dringlich erforderlichen Flexibilisierung des Arbeitsmarktes auf Management-Level (!) beitragen. Interim Management ist zwar heute schon bezahlbar - allerdings stehen häufig die Budgets nicht zur Verfügung. Das könnte daran liegen, dass sie derzeit noch an anderer Stelle falsch investiert werden. Wir werden sehen ...

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Kommentare (1)

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Eine Durchschüttelung kann ja auch gut sein. Zeit für Veränderungen. Jedoch habe ich von dieser Disruption noch nicht viel mitbekommen.
MfG

 
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