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Digitale Transformation - Unternehmen 4.0

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Seit einiger Zeit ist die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft in aller Munde. Denn der rasche technologische Fortschritt verändert das Verhalten von Unternehmen, Konsumentinnen und Konsumenten sowie Arbeitnehmern. Der digitale Wandel ist umfassend, er betrifft alle und alles. Deshalb ist es auch schwierig, dieses Phänomen einzugrenzen und eindeutig zu definieren. Ganze Geschäftsmodelle, Produkte und Dienstleistungen sowie Jobprofile wandeln sich. Diese Veränderungen eröffnen unzählige neue Möglichkeiten, doch zugleich erzeugen Sie aber auch Unsicherheit bei Unternehmen und Menschen bezüglich ihrer Wettbewerbsfähigkeit, respektive ihrer Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt. Gleichwohl eröffnet der technologische Fortschritt uns allen als Konsumentinnen und Konsumenten neue Perspektiven in Form von günstigeren, transparenteren und bequemeren Angeboten. Aber rechtfertigt es sich, von einer vierten industriellen Revolution zu sprechen? Welche Entwicklungen kennzeichnen den digitalen Wandel? Ist es vielleicht nur eine Evolution oder gar nur eine reine technologische Weiterentwicklung? Da diese Frage nicht einfach mit Ja oder Nein zu beantworten ist - lohnt sich zunächst ein Blick in die Vergangenheit und die bisherige Entwicklung.

Da es keine klare, standardisierte Definition, also DEN 4.0 Standard, gibt und geben kann, wird es wie in der Vergangenheit auch, für jedes Unternehmen und Branche, Mitarbeiter und Unternehmensformen, individuelle Lösungen geben müssen. Daher reicht es auch nicht nach einer reinen technologischen Lösung zu suchen und die Unternehmensprozesse in eine Software / IT zu "pressen" - wie das Endet, hat man bei einigen großen Unternehmen bei der Umstellung der ERP Systeme gesehen. Im Kern muss jedes Unternehmen entlang der kompletten Wertschöpfungskette sein gesamtes Geschäftsmodell, Prozesse, Strategien, Strukturen, Produkte und selbst seine Kultur überprüfen, hinterfragen und anpassen, denn völlig branchenfremde Unternehmen sind heute bereits in der Lage, quasi über Nacht in das angestammte Geschäftsmodell einzudringen. „Warum bin ich heute der richtige (Geschäfts-) Partner in der Wertschöpfungskette und was muss ich dazu beitragen, dies auch zukünftig zu bleiben?“

Internetfirmen drängen zunehmend in den industriellen Sektor als Wachstumsfeld ein - am Beispiel Google. Die Möglichkeiten der digitaler Medien werden unsere Unternehmen dramatisch verändern – Menschen, Maschinen und Ressourcen kommunizieren künftig unmittelbar und in Echtzeit miteinander. Heutige starre Wertschöpfungsketten werden sich zu dynamischen Wertschöpfungsnetzwerken entwickeln. Die Wertschöpfung findet somit nicht länger sequenziell und zeitversetzt statt, sondern erfolgt in einem System ständig kommunizierender und flexibel aufeinander reagierender Einheiten, die sich optimal selbst organisieren. Die Grafik aus einer aktuellen Umfrage des VDI zeigt, in welchen Bereichen die 630 Befragten Deutschland als gut aufgestellt bezeichnen. Wie bereits im Jahr 2016 steht der Bereich Produktionstechnik mit etwa 77 Prozent. Danach folgen mit 55,4 Prozent die Robotik sowie mit 50,1 Prozent die additive Fertigung. Agrartechnische Anwendungen (25,5 Prozent) und der Bereich E-Health (17,6 Prozent) waren in der Vorjahres-Befragung nicht vertreten. Die Bereiche Ortsbasierte Dienstleistungen sowie Stadtentwicklung sind mit 11,6 bzw. 11,5 Prozent im unteren Bereich zu finden. Beide verzeichneten jedoch im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg. Logik und Treiber der Digitalisierung verstehen Um das Risiko für das eigene Unternehmen einschätzen zu können, muss zunächst die Logik der Digitalisierung verstehen.

Elemente der digitalen Transformation

  • Automatisierung: Roboter und selbstfahrende Fahrzeuge sind die prominentesten Beispiele für die Automatisierung verschiedener Prozesse. Durch die intelligente Kombination klassischer Technologien mit künstlicher Intelligenz entstehen autonom arbeitende Maschinen und Systeme. Diese sind dank höherer Produktivität bei gleichzeitig tieferen Kosten effizienzsteigernd.
  • Vernetzung: Die digitale Entwicklung ermöglicht dank dem Einsatz leistungsstarker Rechner und Netzinfrastrukturen die unternehmensübergreifende, digitale Vernetzung von Produktionsprozessen. Alle Bereiche des Wirtschaftens können durchgängig und in Echtzeit miteinander vernetzt werden. Die reale Welt und die virtuelle Welt verschmelzen im Internet der Dinge. Beispielsweise, indem die Logistiksysteme einer Firma selbstständig mit den Produktionsanlagen kommunizieren (Smart Factory) oder die Kaffeemaschine selbstständig neuen Kaffee bestellt (Internet der Dinge).
  • Datenverarbeitung: Die Vernetzung von Produkten, Prozessen, Maschinen und Menschen generiert Daten. Diese bilden eine wichtige Grundlage für erfolgreiches unternehmerisches Handeln. Daten werden zur Optimierung bestehender Geschäftsmodelle genutzt (Big Data/Smart Data). Daten bilden aber auch die Grundlage für bisher ungenutzte Wertschöpfungspotenziale. Neue, branchenfremde Akteure treten auf den Markt und fordern bestehende Wertschöpfungsprozesse mit neuen, datenbasierten Geschäftsmodellen heraus. Am Anfang dieser Entwicklung standen einfache datenbasierte Empfehlungssysteme (Kunden, die dieses Produkt gekauft haben, kauften auch …). Aus der Verknüpfung und Analyse von Daten lassen sich aber auch präzise Prognosen ableiten und etwa vorausschauend Reparaturen von Maschinen oder der Austausch von Ersatzteilen planen (Predictive Maintenance).
  • Kundenzugang: Durch den Einsatz moderner und mobiler Kommunikationsmöglichkeiten, beispielsweise über Apps oder soziale Medien, wird einerseits ein direkter Zugang zum Kunden möglich, klassische Intermediäre fallen weg. Andererseits entstehen digitale Plattformen, deren Rolle in der Zusammenführung der Marktakteure liegt. So bieten heute diverse Hersteller ihren Kunden die Möglichkeit, direkt online ein individuelles Produkt zu bestellen (Farben, Materialien, Grösse). Sie umgehen so für einen Teil ihrer Produktion den Einzelhandel und treten in direkten Kontakt mit ihren Kunden. Hersteller erhalten dadurch ganz unmittelbar von ihren Kunden Rückmeldungen über das verkaufte Produkt und können es entsprechend verbessern.

Wie sieht der Reifegrad in Deutschland aus? Nur rund ein Drittel der deutschen Unternehmen schätzt seine eigene digitale Reife als hoch oder sehr hoch ein. Dabei liegt dieser Wert bei größeren und profitableren Unternehmen im Durchschnitt deutlich höher – immerhin 62 Prozent der Unternehmen mit einer EBIT-Marge von über 15 Prozent bescheinigen sich eine hohe oder sehr hohe digitale Reife. Nach Branchen betrachtet, liegen Chemie, Logistik und Energie vorne. Das Schlusslicht in Sachen digitaler Reife bilden – nach eigener Einschätzung – viele mittelgroße Unternehmen der Elektroindustrie sowie des Maschinen- und Anlagenbaus. Sie fühlen sich somit als besonders anfällig für disruptive digitale Technologien. Allerdings legen viele Unternehmen im Hinblick auf ihre Anstrengungen zur digitalen Transformation falsche Schwerpunkte. Anstatt verstärkt auf die Entwicklung neuer Produkte und Kundenschnittstellen zu setzen, sieht ein Großteil der Unternehmen das primäre Ziel in der Effizienzsteigerung

Anforderungen an die Unternehmen

Europas Unternehmen haben sehr gute Chancen, von der digitalen Transformation zu profitieren. Allerdings müssen sie eine Reihe von Voraussetzungen schaffen und das Tempo der Veränderung erhöhen. Einige Beispiele: Die Unternehmensspitze muss die digitale Entwicklung des Unternehmens in den Mittelpunkt der Strategie rücken Digitalisierung muss Chefsache sein, die Unternehmensführung muss sich mit den Chancen der neuen Entwicklungen beschäftigen und alle Ebenen des Unternehmens in diesen Prozess einbeziehen. Gleichwohl Feedback und Beteiligung im Unternehmen fördern und fordern. Das mittlere Management muss in die Lage versetzt werden sich in neuen Herausforderungen zu bewähren und eigene, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Die Fachexperten sollten eine Digitalkultur entwickeln und sich stärker mit den inkrementellen und disruptiven Möglichkeiten befassen, die digitale Entwicklungen bieten. Die Techniker, selbst jene aus den IT-Abteilungen, müssen an die digitale Zukunft herangeführt werden – sie sind vielfach für Instandhaltung und Verbesserung bestehender Systeme ausgebildet und eingesetzt und sollten die Chance erhalten, neue Wege zu entdecken. Die Kunden und Zulieferer schließlich sollten – trotz manch berechtigter, ja gesunder Skepsis – die Chancen der digitalen Ökonomie kennenlernen und sie als Bereicherung sehen können. Angesichts dieser umfassenden Anforderungen brauchen Unternehmen eine digitale Strategie und gute Kommunikatoren, die für die Chancen der neuen Entwicklungen werben. Insbesondere den Bereichen Einkauf und Vertrieb kommen hier Schlüsselfunktionen zu, um Kunden und Zulieferer in der Wertschöpfungskette einzubinden und die eigene Position auch zukünftig sicherzustellen.

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Montag, 11. Dezember 2017

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