Uwe Sunkel

Seit über 20 Jahren führt Uwe Sunkel Projekte im nationalen und internationalen Human Resources Umfeld durch. Zu seinen Kunden gehören Unternehmen des Mittelstands ebenso wie internationale Großkonzerne.

Die dunkle Seite der Macht

Die dunkle Seite der Macht

Der Interim Management Provider ist ein unbekanntes Wesen. Er arbeitet im Verborgenen und eine Aura des Unheimlichen umgibt ihn. Spontankontakte führen bei den Interim Managern nicht selten zu Kopfschmerz und einem ganzkörperlichen Unbehagen. Dennoch ist er als feste Instanz aus unserer Branche nicht mehr wegzudenken. Mehr noch. Er trägt zur Kultivierung des Geschäfts und manchmal sogar zur Flurbereinigung bei. Mit diesem Blog will ich daher versuchen, den Mythos des Providers zu entzaubern. Wir werden sehen, was am Ende bleibt: unheilbringende Chimäre oder strahlendes Einhorn.

Fragt man die Interim Manager selbst nach deren Meinung über die Provider, dann spannt sich ein bunter Reigen persönlicher Erfahrungen auf. Und eben, weil es sich dabei um ausdrücklich persönliche Eindrücke handelt, sind die gezeichneten Bilder Schwarz-Weiß und polarisieren im direkten Vergleich stark. Da ist einerseits die Rede von professionellem Teamwork im Interesse des Kunden, geprägt von intensiven Beratungsgesprächen, der gemeinsamen Erstellung von Arbeitskonzepten bis hin zur regelmäßigen persönlichen Betreuung im laufenden Mandat. Ein Provider, der seine Arbeit so definiert und lebt, leistet einen wertvollen Beitrag zur Ausbildung eines positiven Images. Unstrittig, dass dieser Ansatz zeit- und kostenintensiv ist und in einem hart umkämpften Markt, der zunehmend intensiver auch in Preisdiskussionen involviert wird, nicht zur ersten Wahl eines jeden Providers gehört.

Individuelle Erfahrungen mit den Providern

Daneben gibt es dann konkludenterweise auch die Erfahrungen der Interim Manager, die an einen der – ich nenne sie mal – „Publikums-Provider" geraten sind. Diese Unternehmen sind sehr durchstrukturiert, legen Wert auf schlanke Prozesse im Vertrieb und in der Projektakquisition. Da bleibt wenig Zeit für Beratung, Betreuung und gründliche Auswahlverfahren. Im Gegenteil. Masse statt Klasse. Die häufig verprellten Interim Manager berichten von Projektanfragen, die nicht zum eigenen Skillset passen oder – schlimmer noch - von Interviews, in denen der Kunde eine ganz andere Aufgabenstellung präsentiert, als es der Provider im Briefing vorab getan hat. Gesprächspartner auf Providerseite sind meist junge Menschen, die nachweislich zwar über einen Hochschulabschluss, nicht jedoch über Berufs- oder gar Lebenserfahrung verfügen. Gespräche auf Augenhöhe sind so nur schwerlich vorstellbar.

Wohl gemerkt sind dies nicht meine persönlichen Erfahrungen, sondern eine verkürzte Zusammenfassung der Berichte, die ich in den letzten 12 Jahren von zahlreichen Kollegen gehört habe. Stelle ich meine eigenen Eindrücke dagegen, ergibt sich ein etwas anderes Bild. Nochmal kurz zur Wiederholung: wir sind jetzt gerade bei Schwarz-Weiß. Es gehört zu den menschlichen Schwächen, dass wir gerne über Extreme berichten, dabei jedoch zwei Dinge gerne ausblenden. Zum einen die Grauschattierungen und zum anderen den eigenen (Nicht)Beitrag im Prozess.

Auf den Mitarbeiter kommt es an

Mein eigenes Bild ist folgendes: Auch bei Michael Page, Hays & Co. gibt es Mitarbeiter, die einen erstklassigen Job machen. Das habe ich selbst so erlebt und stehe dazu. Ich weiß, dass gerade die Massenanbieter gerne als Prügelknaben herhalten müssen, wenn es darum geht, Negativ-Beispiele aus dem Markt zu zitieren. Als Pauschalurteil ist das natürlich falsch und hält einer objektiven Überprüfung nicht stand. Was jedoch richtig ist, ist die durchschnittliche Wahrnehmung der Arbeit solcher Anbieter. Lässt man einmal die Perlen außen vor, dann stimmt der Gesamteindruck leider wieder. Um das Bild zu vervollständigen, habe ich bei den Premium-Anbietern bis heute noch keinen Ansprechpartner erlebt, der weit hinter meinem Qualitätsanspruch zurückgeblieben wäre. In der Regel hatte ich dort mit kompetenten Mitarbeitern zu tun, die gut gebrieft waren und das Projekt mit ausreichend Zeit betreuen konnten. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Wie man in den Wald hinein ruft ...

Woran liegt es dann also, dass die Erlebnisse verschiedener Kollegen so stark voneinander abweichen. Ein altes Sprichwort sagt: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus." Das gilt auch für die Zusammenarbeit mit den Providern. Wer den Provider lediglich als Vermittlungs-Fabrik sieht, der wird zwangsläufig schlechte Erfahrungen machen. Denn das sind die Provider qua definitionem nicht. Kein Provider macht Vertrieb für die oder gar einen einzelnen Interim Manager. Eine Ausnahme stellen die Sozietäten dar, die das Modell des Providers aber nur partiell abbilden. Der klassische Provider hat die Aufgabe, den Bedarf seiner Kunden aufzunehmen und auf dem Anbietermarkt den besten Dienstleister dafür zu finden. Diese Aufgabe übernimmt er völlig losgelöst von einzelnen Personen oder persönlichen Kontakten. Die Erwartung der Interim Manager „Ich bin bei Ihnen registriert, also vermitteln Sie mich bitte auch." hat mit der Realität nichts zu tun. Die Aufnahme in einen Providerpool ist daher zunächst einmal nichts anderes als eine Wette auf die Zukunft.

Ich werde diesen Blog in den kommenden Wochen fortsetzen. Zu den weiteren Beiträgen gehört dann z. B. ein Praxisbeitrag mit den verschiedenen Vertriebsstrategien, die ein Interim Manager einnehmen kann. Bleiben Sie gespannt!

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